Schade eigentlich

21. März 2013 um 19:35 Uhr

Ich hab heute Langeweile und ich stehe neben mir
Die Gedanken die mich treiben handeln alle nur von dir
Doch geh ich jetzt zu dir und klag dir mein Leid
sagst du mir am Ende du hast keine Zeit
Ich greife zum Hörer und rufe dich an
frag dich ob ich mal vorbeikommen kann
Ob du Zeit für mich hast und dich grad langweilst
und ob du den Abend heut` mit mir teilst
Ob wir was kochen, was essen und trinken
und noch danach in Gedanken versinken
Ob wir reden über Zeiten die wir schon teilten
und über Gedanken die in uns verweilen
Dann sagst du ganz nüchtern wir müssen’s verschieben
und mir bleibt nur noch mich zu verabschieden

Kategorie Lyrik | Kommentare (0)

Von bescheidenen Träumen und dem Weg in die Freiheit – Teil 3

20. März 2013 um 12:02 Uhr

Matthi wohnte einen Steinwurf weit entfernt. Jedenfalls von Deutschland. Das weiße Haus glich einer Miniaturvilla, zumindest wenn der Beobachter ein Romantiker war. Ich war sehr gerne hier und natürlich fehlt mir diese Zeit. Ich glaube, Matthi hat diese Herberge nur gewählt, weil die Fensterbänke so groß waren. Ehrlich. Auf den Fensterbänken konnte man sitzen, schlafen, Gitarre spielen, verträumt den anderen Leuten nachsehen, Kirschen entgegen nehmen, lesen, Tagebuch schreiben und Wein trinken. Matthi saß eigentlich immer dort und schaute aus dem Fenster in die Ferne hinaus. Er konnte sich ebenso wenig zwischen Heimweh und Fernweh entscheiden wie ich. Diese Eigenart hatten wir gemein. Ein paar Tage lang hatte ich die Idee, dass wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen sollten. Dann zog er zurück. Schade eigentlich. Mir blieb das Bild eines lockigen, blonden Jünglings der glücklich jeden Tag seines Lebens in ein sorgfältig geführtes Tagebuch schrieb. Der Schatten zwischen diesen Zeilen bin ich. Manch liebevolles Wort ist mir gewidmet, einem Bruder, einem Stern. Und fernab dieser Zeit scheine ich auf dem wohlwollenden Lächeln der Erinnerung. Scheine täglich für ein paar Sekunden in seinen Gedanken wie ein Wanderer aus der Ferne, der fast bereit ist, nach Hause zu kommen.

Wie „Allein“ entstand …

7. März 2013 um 20:15 Uhr

Ich ging die vielen Treppen hinunter bis zur letzten Stufe. Hier blieb ich einen Moment stehen und blickte in die Ferne. Am anderen Ende der Wiese saß er – ganz alleine hockte er im Schneidersitz vor einem Schreibblock und ließ den Stift in seiner Hand langsam durch die Luft kreisen, als wollte er Gedanken damit einen Raum geben. Ich hatte diesen blonden Lockenkopf bei unserem letzten Treffen stundenlang aus meiner Welt erzählt. Dann hatten wir uns eine Weile nicht gesehen. Jetzt freute ich mich meinen neuen Bekannten wiederzusehen. Entspannt und die Sonne im Nacken schlenderte ich auf ihn zu. Er empfing mich mit einem charmanten Lächeln, ganz wie es heute noch seine Art ist, wenn ihm Menschen begegnen, die er gerne hat. Ich ließ mich neben Matthi in Gras fallen und wir plauderten wieder ein wenig übers Musik machen und die Idee, gemeinsam an Liedern zu arbeiten und diese aufzunehmen. Auf dem Schreibblock, dessen Blätter sich mittlerweile vom angenehm warmen Wind anheben und zurückfallen ließen, stand in großen Buchstaben „ALLEIN“ und darunter einige Zeilen, teilweise durchgestrichen oder zu Strophen geordnet. Ich weiß nicht mehr, ob er mir den Text vorlas oder ich selber gelesen habe. Jedenfalls gefiel mir sein Schreibstil und die Art, mit der er komplexen Gefühlen eine einfache Sprache gab. Ein paar Wochen später stand er dann vor meiner Tür und wir haben „Allein“ aufgenommen. Jetzt lebt er mehrere hundert Kilometer von mir entfernt und der Platz auf der Wiese bleibt das Jahr über leer.
Allein
Allein entstand, weil ich verdammt allein war.
Ich lag auf dem Campus unserer Uni im Sonnenschein allein im Gras und beobachtete die anderen Studenten, wie sie in kleinen Gruppen vergnügt miteinander herumalberten, flirteten und sich unterhielten. Auf meiner Decke (okay, es war meine Jacke) saß ich ganz allein und beneidete die Anderen. Ich war nun einmal der Neue und erst seit wenigen Wochen dort, kannte noch Niemanden wirklich und wusste nicht wohin mit mir.
Ich lag dort, schnappte einen Stift und notierte auf meinem Ordner-Rücken diesen Text über Einsamkeit, Heimweh und Selbstzweifel.
Während ich also in meinen Gedanken vertieft notierte was ich fühlte, stand plötzlich ein langhaariger Kerl in der Sonne und spendete mir Schatten. Es war Toto, den ich wenige Wochen zuvor bei einer Tagung kennen gelernt habe und der in meiner Zukunft eine größere Rolle spielen sollte. Wir saßen kurz zu zweit auf meiner Jacke und unterhielten uns über Musik, Instrumente und Zukunftspläne. Inzwischen ist er die zweite Hälfte von den Daimones und sogar so etwas, wie ein Bruder und Mentor geworden.

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