Bonjour affaire de cœur

28. Januar 2016 um 16:25 Uhr

Pere Lachaise

Tintenklecksfass

17. Juli 2014 um 13:09 Uhr

Unentwegt treiben wir diese Zuflucht entlang
stranden hier, warten dort, halten doch nirgends an
stehlen dem Leben sein ureigenes Tintenklecksfass
bis die Farbe auf uns dann verblasst

Malen wir weiter Freiheit
dem Geist dunkles Gold
zeichnen Skizzen der Seele
wie ein Aschenkobold
tragen langsam dies Bildnis zu Grabe hinab
bis es drüben im Märchen erwacht

Leise tropfen die Sinne vom Himmel herab
am Fenster der Seele prasseln sie sorglos ab
drinnen packt der Wanderer sieben Sachen zusammen
und stürzt sich Tags drauf in die Flammen

Unentwegt treiben wir diese Sehnsucht entlang
tauchen hier, strömen dort, verdunsten doch irgendwann
stiehlt das Leben unser aller letztes Tintenklecksfass
erinnere mich so mein Herz nie verblasst

… aus einem Brief an einen Freund

27. April 2014 um 20:32 Uhr

„Wendepunkte tun gut. Wir rammen unseren Anker in den Boden wie den Pflock in einen nicht greifbaren Vampir. Wir markieren Punkte auf der linearen Landkarte unserer Reise durch das Leben. Aber endlich rasen wir nicht, getrieben von der Sehnsucht, alles mitzunehmen bevor wir sterben – nichts auszulassen. Nein, hier an den Wendepunkten atmen wir tief durch, schlagen Wurzeln in den Boden und saugen die Nährstoffe, diese wichtigen Elixiere, auf in unseren Geist, unser Herz, unsere Seele oder in welche konstruierte Kammer auch immer. Ja, es sind alles konstruierte Kammern, mein guter Freund. Die Wirklichkeit ist immer gleichzeitig das, was sie ist und das was wir sehen. Wir nehmen immer nur einen Teil von ihr wahr, aber hier an den Wendepunkten, deren Klarheit uns wie ein lauwarmer Frühlingswind auf einer Bergspitze umweht – hier packen wir die Wahrhaftigkeit und erblühen. Und was fühlen wir uns geborgen, nah an der Quelle des Gipfels. Eine Quelle, die uns schon bald wieder mit hinab nehmen wird, tief im Tal in die Erde sackt und sich dort wandelt in einen reizenden Fluss der Unterwelt oder zu Wolken transformiert, um als kleiner Tropfen niederzufallen – wieder zurück am Wendepunkt, am Gipfel des Berges unserer Existenz.“

 

Von bescheidenen Träumen und dem Weg in die Freiheit – Teil 3

20. März 2013 um 12:02 Uhr

Matthi wohnte einen Steinwurf weit entfernt. Jedenfalls von Deutschland. Das weiße Haus glich einer Miniaturvilla, zumindest wenn der Beobachter ein Romantiker war. Ich war sehr gerne hier und natürlich fehlt mir diese Zeit. Ich glaube, Matthi hat diese Herberge nur gewählt, weil die Fensterbänke so groß waren. Ehrlich. Auf den Fensterbänken konnte man sitzen, schlafen, Gitarre spielen, verträumt den anderen Leuten nachsehen, Kirschen entgegen nehmen, lesen, Tagebuch schreiben und Wein trinken. Matthi saß eigentlich immer dort und schaute aus dem Fenster in die Ferne hinaus. Er konnte sich ebenso wenig zwischen Heimweh und Fernweh entscheiden wie ich. Diese Eigenart hatten wir gemein. Ein paar Tage lang hatte ich die Idee, dass wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen sollten. Dann zog er zurück. Schade eigentlich. Mir blieb das Bild eines lockigen, blonden Jünglings der glücklich jeden Tag seines Lebens in ein sorgfältig geführtes Tagebuch schrieb. Der Schatten zwischen diesen Zeilen bin ich. Manch liebevolles Wort ist mir gewidmet, einem Bruder, einem Stern. Und fernab dieser Zeit scheine ich auf dem wohlwollenden Lächeln der Erinnerung. Scheine täglich für ein paar Sekunden in seinen Gedanken wie ein Wanderer aus der Ferne, der fast bereit ist, nach Hause zu kommen.

Wie „Allein“ entstand …

7. März 2013 um 20:15 Uhr

Ich ging die vielen Treppen hinunter bis zur letzten Stufe. Hier blieb ich einen Moment stehen und blickte in die Ferne. Am anderen Ende der Wiese saß er – ganz alleine hockte er im Schneidersitz vor einem Schreibblock und ließ den Stift in seiner Hand langsam durch die Luft kreisen, als wollte er Gedanken damit einen Raum geben. Ich hatte diesen blonden Lockenkopf bei unserem letzten Treffen stundenlang aus meiner Welt erzählt. Dann hatten wir uns eine Weile nicht gesehen. Jetzt freute ich mich meinen neuen Bekannten wiederzusehen. Entspannt und die Sonne im Nacken schlenderte ich auf ihn zu. Er empfing mich mit einem charmanten Lächeln, ganz wie es heute noch seine Art ist, wenn ihm Menschen begegnen, die er gerne hat. Ich ließ mich neben Matthi in Gras fallen und wir plauderten wieder ein wenig übers Musik machen und die Idee, gemeinsam an Liedern zu arbeiten und diese aufzunehmen. Auf dem Schreibblock, dessen Blätter sich mittlerweile vom angenehm warmen Wind anheben und zurückfallen ließen, stand in großen Buchstaben „ALLEIN“ und darunter einige Zeilen, teilweise durchgestrichen oder zu Strophen geordnet. Ich weiß nicht mehr, ob er mir den Text vorlas oder ich selber gelesen habe. Jedenfalls gefiel mir sein Schreibstil und die Art, mit der er komplexen Gefühlen eine einfache Sprache gab. Ein paar Wochen später stand er dann vor meiner Tür und wir haben „Allein“ aufgenommen. Jetzt lebt er mehrere hundert Kilometer von mir entfernt und der Platz auf der Wiese bleibt das Jahr über leer.
Allein
Allein entstand, weil ich verdammt allein war.
Ich lag auf dem Campus unserer Uni im Sonnenschein allein im Gras und beobachtete die anderen Studenten, wie sie in kleinen Gruppen vergnügt miteinander herumalberten, flirteten und sich unterhielten. Auf meiner Decke (okay, es war meine Jacke) saß ich ganz allein und beneidete die Anderen. Ich war nun einmal der Neue und erst seit wenigen Wochen dort, kannte noch Niemanden wirklich und wusste nicht wohin mit mir.
Ich lag dort, schnappte einen Stift und notierte auf meinem Ordner-Rücken diesen Text über Einsamkeit, Heimweh und Selbstzweifel.
Während ich also in meinen Gedanken vertieft notierte was ich fühlte, stand plötzlich ein langhaariger Kerl in der Sonne und spendete mir Schatten. Es war Toto, den ich wenige Wochen zuvor bei einer Tagung kennen gelernt habe und der in meiner Zukunft eine größere Rolle spielen sollte. Wir saßen kurz zu zweit auf meiner Jacke und unterhielten uns über Musik, Instrumente und Zukunftspläne. Inzwischen ist er die zweite Hälfte von den Daimones und sogar so etwas, wie ein Bruder und Mentor geworden.

Paris

3. Oktober 2012 um 20:30 Uhr

Paris Zwei Freunde unterwegs inmitten einer widerlichen, stinkenden Großstadt mit ihren heruntergekommenen Hotels.
Einfach ungeplant hier angekommen. Die Gitarren auf dem Rücken und wenigstens eine volle Flasche Wein irgendwo zwischen Gedichtband und Zahnbürste. Im Osten der Stadt der begehrte Park der Gräber. Der Wächter mit dem Lorbeerkranz. Die Stufen dreihundert Jahre hinab und rückwärts wieder rauf. Mit Kerzen und Katzen geschmückte Einleitung einer kreativen Nacht. Lachend umhergeirrt und nach ein paar Zeilen gesucht, die Du vor vierzig Jahren hier verloren hast. In Paris leuchten die Krähen anders, was uns egal ist, denn wir ziehen bereits unter den vielen Brücken der Seine umher. Ein geeigneter Platz um auf die Gegenwart anzustoßen, den einzigen unkonstruierten Farbtupfer im Nebelschlaf dieser Stadt. Der Mond spiegelt sich fast so schön im Wasser des Kanals wie deine Freundschaft in mir. Der Rest ist nicht wichtig …

Zu Besuch bei Jim II

17. August 2012 um 21:39 Uhr

Matthi in ParisEtwas Schönes ist selten von Dauer.

Vielleicht ist es deshalb so schön.

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Ich bin müde:

ich will einfach einen Tag,
einen Tag für mich allein,
ohne Telefon
und ohne all den Streß.
Einen Tag an dem ich Zeit hab
um mal einfach ich zu sein.
Und vielleicht finde ich in mir
mit etwas Glück,
etwas von dem der ich war
wieder zurück

Danke Jim, Danke Paris.

Zu Besuch bei Jim

10. Mai 2012 um 02:15 Uhr

Thorsten in Paris

Von bescheidenen Träumen und dem Weg in die Freiheit – Teil 2

8. Februar 2012 um 20:10 Uhr

Die kleinen Ausschnitte, Schnipsel und Fragmente aus unseren Lebenskästchen Poesie und Musik hier zu einem Puzzle aus Kreisen zu verbinden und irgendwie halbwach dabei sein – für uns bisweilen ein lohnenswerter Zeitvertreib. Vor Jahren hatten wir den Einfall parallel in konträren Kontexten Gedichte und Lieder zu schreiben. Wenn Matthi über den Tag schrieb, war mein Thema die Nacht. Sollte ich ein Gedicht über Heimweh verfassen, dann war Matthis Wort der Stunde Fernweh. Solche Aufgaben gaben wir uns immer wieder und so entstanden bisweilen ein Gedicht, eine Strophe oder ein ganzes Lied, wobei Matthi in der Regel lakonischer zu Werke ging. So entstand dann unter anderem „Allein“. Sei noch kurz anzumerken das wir solchen Aufgaben selbstverständlich absolut ungewissenhaft nachgingen. Bilder ohne Rahmen zu entwerfen scheint uns beiden leichter zu fallen.

Von bescheidenen Träumen und dem Weg in die Freiheit Teil 1

23. Oktober 2011 um 10:53 Uhr

Als humanistischer Misanthrop hat man schnell herausgefunden, dass Zurück-gezogenheit und bescheidene Träume einen Anflug von Geborgenheit widerspiegeln. Freiheit heißt irgendwann nicht wesentlich mehr, als diese Art zu leben annehmen zu können. Mit „Heute nichts mehr wert“ und „Mit mir rennen“ hat also jeder von uns Barden ein gesellschaftskritisches Lied hinterlassen. Unsere Dokumentation über die Fallensteller und Schwarzgeister. Das Schöne an den vielen gemeinsamen Abenden war, dass diese Falschmenschen niemals Platz in unseren Gesprächen einnahmen. Wir teilten Poesie, Musik und unsere Helden – die wir meistens selber waren. Glücklich sein ist eben im doppelten Sinne einfach.

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